Sauna & Wärme
Ist Sauna gesund? Was Studien zeigen
Finnische Langzeitstudien verbinden häufiges Saunieren mit weniger Herz-Kreislauf-Todesfällen. Was das heißt, wo die Grenzen liegen und wer vorher ärztlichen Rat einholen sollte, steht hier.
Stand · Redaktion Wohlfühlwissen

Kurzantwort: Für gesunde Erwachsene gilt Saunieren bei sinnvollem Umgang als gut verträglich. Beobachtungsstudien aus Finnland bringen häufige Saunabesuche mit weniger Herz-Kreislauf-Todesfällen in Verbindung, ob die Sauna dafür die Ursache ist, ist aber nicht belegt. Wer Herz-Kreislauf-Beschwerden, Bluthochdruck oder einen Infekt hat oder Insulin spritzt, sollte vorher ärztlichen Rat einholen.
Was in der Sauna im Körper passiert
In einer klassischen finnischen Sauna herrschen 80 bis 100 Grad Celsius. Der Körper hält seine Kerntemperatur von etwa 37 Grad, indem er schwitzt. Etwa ein halber Liter Schweiß pro Saunagang ist laut Apotheken Umschau keine Seltenheit. Der Puls steigt, die Gefäße weiten sich.
Eine deutsche Untersuchung von 2020 maß bei einer 25-minütigen Sitzung zunächst einen Blutdruckanstieg. Nach dem Verlassen der Hitze fiel der Blutdruck unter den Ausgangswert vor dem Saunagang. Im Fahrradergometer-Vergleich wirkte die Sauna ähnlich wie moderater Sport, der Effekt entspricht nach Aussage des Studienautors etwa dem Treppensteigen. Die AOK schreibt, der Blutdruck steige weniger stark als beim Sport, die Herzbelastung entspreche etwa einem moderaten Training. Was das für einzelne Menschen heißt, hängt vom Gesundheitszustand ab.
Herz und Kreislauf: Was die Studien zeigen
Die bekannteste Untersuchung stammt aus Finnland und erschien 2015 im Fachblatt JAMA Internal Medicine. Sie begleitete 2.315 Männer im Alter von 42 bis 60 Jahren im Median 20,7 Jahre lang. Verglichen wurde, wie oft die Männer in der Woche saunierten.
| Saunabesuche pro Woche | Teilnehmer | Plötzlicher Herztod im Beobachtungszeitraum | Tod jeder Ursache im Beobachtungszeitraum |
|---|---|---|---|
| 1 | 601 | 10,1 % | 49,1 % |
| 2 bis 3 | 1.513 | 7,8 % | 37,8 % |
| 4 bis 7 | 201 | 5,0 % | 30,8 % |
Nach Berücksichtigung von Risikofaktoren lag das Risiko für den plötzlichen Herztod bei vier bis sieben Besuchen pro Woche bei einer Hazard Ratio von 0,37 im Vergleich zu einem Besuch. Das Konfidenzintervall reicht von 0,18 bis 0,75. Auch längere Aufenthalte hingen mit niedrigerem Risiko zusammen. Die Autoren fordern weitere Studien, um den Mechanismus zu klären.
Eine zweite Studie der Universität Ostfinnland erschien 2018 in BMC Medicine. Sie umfasste 1.688 Menschen, im Mittel 63 Jahre alt, 51,4 Prozent davon Frauen, und beobachtete sie im Mittel 15 Jahre. Wer vier- bis siebenmal pro Woche saunierte, hatte 2,7 tödliche Herz-Kreislauf-Ereignisse pro 1.000 Personenjahre, bei einem Besuch pro Woche waren es 10,1. Der Zusammenhang zeigte sich bei Männern und Frauen.
Beide Studien haben dieselben Grenzen:
- Es sind Beobachtungsstudien. Sie zeigen einen Zusammenhang, aber keine Ursache.
- Alle Teilnehmenden stammen aus einer Region in Finnland. Die Ergebnisse lassen sich nur eingeschränkt übertragen.
- Die Saunagewohnheiten wurden per Fragebogen erfasst.
- Wer häufig saunieren kann, ist womöglich insgesamt gesünder und aktiver. Das lässt sich nie ganz herausrechnen.
Die Apotheken Umschau nennt außerdem eine finnische Studie, in der die Schlaganfallrate bei vier bis sieben Besuchen pro Woche 60 Prozent niedriger lag als bei Seltensaunierern. Auch hier gilt der Vorbehalt der eingeschränkten Übertragbarkeit.
Dauer und Häufigkeit in den Studien
In der Studie von 2015 hing auch die Dauer des einzelnen Aufenthalts mit dem Risiko zusammen. Für den plötzlichen Herztod ergab sich bei Aufenthalten über 19 Minuten eine Hazard Ratio von 0,48 im Vergleich zu Aufenthalten unter 11 Minuten. Bei der Gesamtsterblichkeit zeigte sich dieser Zusammenhang nicht. Die Studie von 2018 betrachtete die Saunazeit pro Woche: Bei mehr als 45 Minuten lag die Rate bei 5,1 tödlichen Herz-Kreislauf-Ereignissen pro 1.000 Personenjahre, bei weniger als 15 Minuten bei 9,6.
Diese Zahlen beschreiben Gruppen, keine Empfehlungen für Einzelne. Sie bedeuten nicht, dass längere oder häufigere Saunagänge für jeden besser sind. Die AOK rät zu acht bis 15 Minuten pro Gang, und die Apotheken Umschau nennt keine feste Empfehlung, sondern verweist auf das Körpergefühl. Die Häufigkeit wird in der Apotheken Umschau nur im Zusammenhang mit den Schlaganfall-Daten genannt, also vier bis sieben Besuche pro Woche in der finnischen Studie. Das ist die Beobachtung einer Gruppe, kein Plan für den Alltag.
Wie Studienzahlen zu lesen sind
Eine Hazard Ratio von 0,37 klingt nach einer Senkung um 63 Prozent. Gemeint ist ein Vergleich des Risikos zwischen zwei Gruppen im Beobachtungszeitraum, nicht die Wirkung einer Maßnahme. Das Konfidenzintervall zeigt, wie unsicher der Wert ist. Je breiter es ausfällt, desto vorsichtiger sollte die Zahl gelesen werden. In der Tabelle oben stehen die Anteile der Todesfälle in den Gruppen. Sie sind nicht um Alter, Rauchen, Blutdruck oder Fitness bereinigt. Erst die bereinigten Werte im Text berücksichtigen solche Unterschiede.
Hinzu kommt: Beide Studien stammen aus derselben Region in Finnland. Unabhängige Bestätigungen aus anderen Ländern erhöhen die Aussagekraft. Bis dahin bleibt es bei Hinweisen. Die AOK spricht entsprechend davon, dass regelmäßiges Saunieren das Risiko für Gefäßerkrankungen senken könnte.
Weitere genannte Effekte
Die AOK berichtet über eine Studie mit 2.315 Männern, in der vier- bis siebenmaliges Saunieren pro Woche mit einem um 66 Prozent geringeren Demenzrisiko verbunden war als ein Besuch pro Woche. Ob ein ursächlicher Zusammenhang besteht, sei unklar. Regelmäßiges Saunieren soll außerdem das Immunsystem unterstützen und sich positiv auf die Haut auswirken. Gesichert ist das nicht, die Aussagen beruhen auf einzelnen Untersuchungen.
Was Saunieren nicht leistet
Das Schwitzen gilt oft als Entgiftung. Das ist nicht belegt. Nach Angaben der Apotheken Umschau enthält Schweiß laut Untersuchungen nicht mehr Giftstoffe als andere Körperflüssigkeiten. Die Vorstellung einer „Entschlackung“ durch Schwitzen gilt damit als widerlegt. Mehr zu diesem Begriff steht im Glossar unter Detox. Auch die Sauna ersetzt kein Training und keine Behandlung von Erkrankungen. Die Wärme eignet sich als Ergänzung für gesunde Menschen, nicht als Therapie.
Wer vorsichtig sein sollte
- Bluthochdruck oder Herzkrankheiten: Vorher mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen und die Belastung nicht unterschätzen. Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung, die die AOK zitiert, sollten Herzpatienten sich nicht plötzlich abkühlen, also keine Schwalldusche und kein Kaltwasserbecken nutzen.
- Nach einem Herzinfarkt: Laut AOK ist Saunieren grundsätzlich möglich, aber ohne kaltes Abkühlen. Vor dem ersten Saunagang wird ein Arztbesuch empfohlen.
- Diabetes mit Insulin: Die Wärme beschleunigt die Aufnahme des Insulins ins Blut. Ohne Anpassung der Therapie droht eine Unterzuckerung.
- Akute Erkrankungen: Bei Erkältung oder Fieber ist die Sauna tabu. Mehr dazu im Beitrag Sauna bei Erkältung.
- Alkohol: Er erweitert die Blutgefäße zusätzlich und beschleunigt den Herzschlag. Warnzeichen wie Kreislaufprobleme werden leichter übersehen. Bei vermeidbaren Todesfällen in der Sauna war nach einer finnischen Untersuchung fast immer Alkohol im Spiel.
- Schwangerschaft: Hier sollte vorab ärztlich geklärt werden, ob und wie saunieren in Frage kommt. Einzelheiten stehen unter Sauna in der Schwangerschaft.
Eine italienische Studie, die die Apotheken Umschau nennt, fand bei intensivem Saunieren eine mögliche Beeinträchtigung der Spermienqualität. Sie umfasste nur zehn Teilnehmer, die Aussagekraft ist damit gering.
So wird der Saunagang verträglicher
Die AOK gibt folgende Hinweise. Sie gelten für Gesunde und sind keine Therapieempfehlung:
- Vor dem Saunagang duschen. So werden Kosmetika entfernt, die die Haut reizen könnten.
- Nicht schwer essen, aber auch nicht mit leerem Magen gehen. Kleine Snacks wie Obst, Joghurt oder ein Brot genügen.
- Einen Gang kurz halten: idealerweise acht bis 15 Minuten. Die Apotheken Umschau empfiehlt, sich nach dem Körpergefühl zu richten, nicht nach der Sanduhr.
- Die letzten Minuten sitzend verbringen, damit sich der Kreislauf an das Aufrichten gewöhnt.
- Pro Besuch höchstens drei Gänge einplanen, bei häufigem Saunieren zwei. Je höher die Bank, desto heißer, wer sich oben unwohl fühlt, setzt sich weiter nach unten.
- Nach dem Gang langsam abkühlen und zwischen den Gängen viel trinken.
Eine ausführliche Anleitung bietet der Beitrag Saunieren: die Anleitung. Wie oft ein Besuch sinnvoll ist, klärt Wie oft in die Sauna?. Eine mildere Alternative zur Hitze stellt das Dampfbad dar.
Wann ärztlicher Rat sinnvoll ist
Vor dem ersten Saunabesuch sollten Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes, Schwangerschaft oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen. Gleiches gilt bei unklaren Beschwerden wie Brustschmerz, Atemnot oder Schwindel. Treten diese Symptome in der Sauna auf, sollte der Raum sofort verlassen und bei anhaltenden Beschwerden ärztliche Hilfe gerufen werden. Bei akuten Infekten und Fieber bleibt die Sauna tabu.
Einordnung: Was sich sagen lässt
Die Sauna ist kein Heilmittel, aber für viele gesunde Menschen eine verträgliche und angenehme Gewohnheit. Die Studien aus Finnland sind interessant, beweisen aber keinen Schutzeffekt. Wer in die Sauna geht, sollte auf den Körper hören, Alkohol meiden und bei Vorerkrankungen vorher ärztlichen Rat einholen.
Passend dazu: Sauna nach dem Tattoo: Wie lange warten? und Sauna in der Schwangerschaft: Was gilt?.
Quellen
- Association between sauna bathing and fatal cardiovascular and all-cause mortality events (JAMA Internal Medicine, 2015)
- Frequent sauna use associated with lower cardiovascular death rate in men and women (University of Eastern Finland, 2018)
- Sauna: Wie der Körper profitiert (Apotheken Umschau, 2020)
- Wie gesund ist ein Sauna-Besuch? (AOK-Gesundheitsmagazin, 2021)
Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung.
Fragen und Antworten
Ist Sauna gesund?
Für gesunde Erwachsene gilt Saunieren als gut verträglich. Finnische Beobachtungsstudien zeigen einen Zusammenhang zwischen häufigem Saunieren und weniger Herz-Kreislauf-Todesfällen. Ein Beleg für eine Ursache ist das nicht, bei Vorerkrankungen sollte vorab ärztlicher Rat eingeholt werden.
Für was ist Sauna gut?
Viele Menschen nutzen die Sauna zur Entspannung. Studien deuten auf mögliche Effekte auf Herz und Kreislauf hin, belegt ist ein Nutzen aber nicht. Entgiftung durch Schwitzen ist nach Angaben der Apotheken Umschau widerlegt.
Wie lange sollte ein Saunagang dauern?
Die AOK nennt idealerweise acht bis 15 Minuten pro Gang und höchstens drei Gänge pro Besuch, bei häufigem Saunieren zwei. Die Dauer sollte sich nach dem Körpergefühl richten, nicht nach einer Sanduhr.
Wer sollte nicht in die Sauna gehen?
Bei Erkältung, Fieber und anderen akuten Erkrankungen ist die Sauna tabu. Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes mit Insulin oder in der Schwangerschaft sollten vorher ärztlich klären, ob und wie sie saunieren dürfen.