Definition
Faszien
Faszien sind Bindegewebshüllen und -netze, die Muskeln, Organe, Gelenke und Nerven umgeben und miteinander verbinden.
Kurz gesagt: Faszien sind Bindegewebe, das Muskeln, Organe, Gelenke und Nerven umhüllt und durchzieht. Ob gezieltes Faszientraining wirkt, ist wissenschaftlich weitgehend offen.
Bedeutung
Der Begriff wird seit Jahren sehr unterschiedlich verwendet. Die internationale Fascia Research Society hat deshalb in einem Fachprozess Definitionen für „eine Faszie“ und „das Fasziensystem“ vereinbart. Vereinfacht handelt es sich um feine, milchig-weiße Schichten aus Bindegewebe, ähnlich den Häuten auf einem Stück Fleisch.
Wie sehen Faszien aus und was tun sie?
Sie können straff oder locker gebaut sein. Besprochen werden unter anderem diese Aufgaben:
- Hüllen und Gleitschichten um Muskeln und Organe
- Kraftübertragung zwischen Muskeln
- Wahrnehmung, weil Faszien Nerven und Rezeptoren enthalten
Manche Fachleute halten sie deshalb sogar für ein großes Sinnesorgan.
Bindegewebe liefert über Nerven und Rezeptoren Rückmeldungen über Spannung und Bewegung. Daraus werden in der Praxis oft weitreichende Schlüsse gezogen. Dass sich diese Wahrnehmung durch Training gezielt verbessern oder Beschwerden damit behandeln lassen, ist nach Stand der Stiftung Warentest nicht belegt.
Was die Forschung sagt
Das Interesse stieg stark nach dem ersten Faszien-Forschungskongress 2007. Zu Faszientraining, Rollen und Massagen schreibt die Stiftung Warentest 2017, es gebe wenige bis keine wissenschaftlichen Belege. Auch die Idee, Rollen löse „verklebte Stellen“, gehört zu den Versprechen, die sich auf diese dünne Studienlage stützen. Dass Faszientraining Rückenschmerzen löst oder Arthrose vorbeugt, ist nicht gesichert.
Zur Einordnung: Die Autoren des Konsensprozesses schreiben, der Begriff werde von Anatomen und anderen Berufsgruppen uneinheitlich benutzt, was Verwirrung stifte. Wer Angebote vergleicht, sollte darauf achten, was genau jeweils unter Faszien verstanden wird.
Praxis: so lässt es sich nutzen
Sanftes Dehnen, Rollen und abwechslungsreiche Bewegung sind für viele Menschen angenehm. Anfänger beginnen mit weicheren Rollen, rollen nie über Gelenke und ignorieren Schmerzen nicht. Mehr dazu unter verklebte Faszien, im Yin Yoga oder bei Pilates. Bei anhaltenden Beschwerden ist eine ärztliche oder physiotherapeutische Untersuchung der richtige Weg.
Dehnen, Gehen, Treppensteigen und Kräftigung gelten ohnehin als Grundlage für bewegliche Gewebe. Zusätzliche Geräte sind nicht erforderlich.
Quellen
- Faszien trainieren: Was bringt die Arbeit am Bindegewebe? (Stiftung Warentest, 2017)
- Fascial nomenclature: Update on related consensus process (Schleip, Hedley, Yucesoy, Clinical Anatomy, 2019)
Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung.
Fragen und Antworten
Was sind Faszien?
Bindegewebe, das Muskeln, Organe, Gelenke und Nerven umgibt und das ganze Körpergerüst durchzieht.
Wie sehen Faszien aus?
Wie dünne, milchig-weiße Häute oder Stränge, ähnlich denen an der Oberfläche eines Stücks Fleisch. Sie können straff oder locker gebaut sein.
Hilft Faszientraining gegen Schmerzen?
Die Belege dafür sind laut Stiftung Warentest wenige bis keine. Wer Schmerzen hat, sollte sie ärztlich abklären lassen.
Siehe auch
- RegenerationRegeneration ist die Erholung von Körper und Psyche nach Belastung, durch die Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden wieder aufgebaut werden.
- EntspannungEntspannung ist ein Zustand körperlicher und seelischer Lockerung mit ruhigerer Atmung und niedrigerem Puls, das Gegenstück zur Stressreaktion.
- ÜbertrainingÜbertraining entsteht, wenn Belastung über längere Zeit die Erholung übersteigt und Leistung, Stimmung und Wohlbefinden anhaltend leiden.
- WohlbefindenWohlbefinden beschreibt, wie gut sich ein Mensch körperlich, seelisch und sozial fühlt, mit Zufriedenheit, Energie und dem Gefühl, zurechtzukommen.
- MikropausenMikropausen sind sehr kurze, bewusste Unterbrechungen der Arbeit, meist wenige Minuten, die zur Erholung von Körper und Konzentration dienen.