Methode
Pilates: Was ist das und was bringt es?
Pilates ist ein Körpertraining mit langsamen, kontrollierten Übungen für Rumpf, Rücken und Haltung, das Joseph Pilates im frühen 20. Jahrhundert entwickelte.

Pilates besteht aus langsamen, genau ausgeführten Übungen, die meist auf der Matte stattfinden, teils auch an Geräten. Im Mittelpunkt stehen der Rumpf, die Atmung und eine bewusste Körperhaltung. Ein Kurs dauert üblicherweise etwa eine Stunde und folgt dem Muster aus Aufwärmen, Hauptteil und Dehnung.
Die beste Studienlage gibt es bei chronischen, unspezifischen Kreuzschmerzen. Ein Cochrane-Review sieht Pilates dort als wahrscheinlich hilfreicher als eine minimale Behandlung, aber nicht klar besser als andere Bewegungsformen. Für andere Ziele ist die Datenlage dünner. Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung.
Einordnung
- Der Cochrane-Review von 2015 wertete 10 Studien mit 510 Teilnehmenden aus, alle mit chronischen unspezifischen Kreuzschmerzen.
- Gegenüber minimaler Behandlung senkte Pilates Schmerzen und Beeinträchtigung kurz- und mittelfristig wahrscheinlich stärker. Die Qualität der Evidenz gilt als niedrig bis moderat.
- Gegenüber anderen Bewegungsformen zeigte sich kein klarer Vorteil für Pilates.
- Nebenwirkungen waren gering oder blieben aus, meist handelte es sich um leichten Muskelkater.
Die wichtigsten Angaben
- Bereich
- Bewegung
- Herkunft
- Deutschland, erste Hälfte des 20. Jahrhunderts (Joseph Pilates)
- Typische Einheit
- im Kurs meist etwa eine Stunde (übliche Kursdauer)
- Intensität
- niedrig
- Ausrüstung
- Matte; optional Kleingeräte oder Reformer
- Kostenklasse
- mittel
- Präventionskurs (§ 20 SGB V)
- Ja, als zertifizierter Präventionskurs möglich
- Studienlage
- teilweise belegt – vor allem bei chronischen unspezifischen Kreuzschmerzen
- Gut geeignet für
- Einsteiger und Menschen, die ein ruhiges, kontrolliertes Rumpftraining suchen
- Vorsicht bei
- Bei akuten oder wiederkehrenden Rückenbeschwerden, nach Operationen und in der Schwangerschaft vorher ärztlich abklären
So läuft eine Pilates-Einheit ab
Die Übungen werden langsam und mit wenigen Wiederholungen ausgeführt. Typisch sind Rückenlage, Seitenlage und Vierfüßlerstand auf der Matte. Beim Reformer-Pilates kommen ein Schlitten und Federwiderstand hinzu, Details stehen unter Reformer-Pilates.
Anleitung durch ausgebildete Trainerinnen oder Trainer hilft vor allem am Anfang, weil die Übungen präzise ausgeführt werden sollen.
Neben der Matte kommen oft Kleingeräte wie Bälle oder Bänder zum Einsatz. Beansprucht werden vor allem Bauch, Rücken und Gesäß. Das Tempo bleibt niedrig, deshalb gilt Pilates als Training mit geringer Intensität, bei dem Genauigkeit wichtiger ist als Schwung.
Wirkung und Studienlage
Die Studien im Cochrane-Review dauerten zwischen 10 und 90 Tagen, nachverfolgt wurde bis zu sechs Monate. Ein Beitrag der Fachzeitschrift American Family Physician fasst zusammen, dass die Schmerzlinderung gegenüber minimaler oder keiner Behandlung bis zu einem Jahr anhielt. Die Verbesserung der Beeinträchtigung im Alltag war statistisch belegt, klinisch aber nur gering.
Zu Beweglichkeit, Haltung oder Körpergewicht liefern die herangezogenen Quellen keine belastbaren Aussagen. Eine Einordnung zum Gewicht bietet Pilates und Abnehmen, die Frage nach der Kraft beantwortet Ist Pilates Krafttraining?
Warum die Aussagen vorsichtig bleiben: Die einzelnen Studien waren mit 17 bis 87 Teilnehmenden klein, und die Nachbeobachtung reichte nicht über sechs Monate hinaus. Der Review betont außerdem, dass es keinen klaren Beleg für eine Überlegenheit gegenüber anderen Übungsformen gibt. Wer Pilates gerne macht, kann es als eine von mehreren sinnvollen Bewegungsformen sehen, ohne Wunder zu erwarten.
Für wen Pilates passt und für wen nicht
Pilates gilt als Einsteiger-taugliche Bewegungsform mit niedriger Intensität. Es eignet sich für Menschen, die gezielt ihre Rumpfmuskulatur ansprechen möchten oder nach einem ruhigen Ausgleich zum Sitzalltag suchen.
Bei akuten oder wiederkehrenden Rückenschmerzen, nach Operationen, bei Vorerkrankungen und in der Schwangerschaft sollte vorab eine Ärztin oder ein Arzt gefragt werden. Die Studien im Cochrane-Review betrafen ausschließlich chronische Beschwerden. Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung. Krankenkassen bezuschussen unter Umständen zertifizierte Präventionskurse, die Zertifizierung steht in der Kursbeschreibung.
Ein Vorteil ist die gute Dosierbarkeit: Übungen lassen sich vereinfachen, Pausen sind jederzeit möglich. Wer starke Schmerzen, Taubheitsgefühle oder Schwindel bemerkt, sollte das Training unterbrechen und ärztlichen Rat einholen.
Einstieg in fünf Schritten
- Gesundheitlich vorab klären, ob Einschränkungen bestehen.
- Einen Anfängerkurs mit ausgebildeter Anleitung suchen, vor Ort oder online.
- Eine rutschfeste Matte und bequeme Kleidung bereithalten.
- Die ersten Einheiten langsam angehen und Übungen lieber kleiner ausführen als zu weit.
- Bei Schmerzen abbrechen und die Anleitung ansprechen.
Nach den ersten Einheiten lässt sich meist besser einschätzen, ob die Form zum eigenen Alltag passt. Hilfreich ist ein Kurs, der Rückmeldung zur Ausführung gibt, statt nur Übungen vorzugeben.
Pilates oder Hatha Yoga
Beide Formen arbeiten mit ruhigen Bewegungen und bewusster Atmung. Pilates konzentriert sich stärker auf kontrollierte Kräftigung, Hatha Yoga verbindet Haltungen mit Atemführung und Entspannung, mehr dazu unter Hatha Yoga. Einen direkten Vergleich zeigt Unterschied zwischen Yoga und Pilates.
Quellen
- Pilates für Kreuzschmerzen (Cochrane-Review) (Cochrane, 2015)
- Pilates for the Treatment of Low Back Pain (American Family Physician, 2016)
Fragen und Antworten
Was bringt Pilates?
Belegt ist vor allem ein Nutzen bei chronischen unspezifischen Kreuzschmerzen gegenüber minimaler Behandlung. Gegenüber anderen Bewegungsformen gab es keinen klaren Vorteil.
Wie oft sollte man Pilates machen?
Feste Empfehlungen liefern die herangezogenen Studien nicht. Die Programme im Cochrane-Review liefen über 10 bis 90 Tage. Sinnvoll ist ein Rhythmus, den der Alltag langfristig zulässt.
Ist Pilates für Anfänger geeignet?
Ja, mit Anleitung und niedriger Intensität gelingt der Einstieg meist gut. Bei Beschwerden oder Vorerkrankungen empfiehlt sich vorab die Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt.
Zahlt die Krankenkasse einen Pilateskurs?
Möglich ist ein Zuschuss, wenn der Kurs als Präventionskurs zertifiziert ist. Die Bedingungen legt jede Krankenkasse selbst fest.
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Woher die Angaben stammen
Stand: 2026-10
Kontrolliert am 29. Oktober 2026