Definition
Grounding
Grounding (Erdung) meint den Hautkontakt zur Erde, dessen Gesundheitswirkung nicht gesichert ist, sowie Übungen, die über die Sinne ins Hier und Jetzt holen.
Kurz gesagt: Grounding, auf Deutsch Erdung, hat zwei Bedeutungen. Gemeint ist zum einen der direkte Körperkontakt zum Erdboden, etwa barfuß auf Gras (auch Earthing genannt). Zum anderen beschreibt der Begriff Übungen, die Aufmerksamkeit über die Sinne in den gegenwärtigen Moment zurückholen.
Grounding als Körperkontakt zur Erde
Befürworter gehen davon aus, dass der Kontakt mit dem Erdboden elektrisch geladene Teilchen auf den Körper überträgt und dadurch Entzündungen, Schlaf und Stress beeinflusst. Diese Annahme ist wissenschaftlich nicht gesichert. Übersichtsarbeiten stützen sich überwiegend auf kleine Untersuchungen; belastbare große Studien fehlen bislang. Vorteile vom Barfußgehen im Freien lassen sich daher nicht eindeutig dem Erdkontakt zuschreiben, denn Bewegung und Aufenthalt in der Natur wirken parallel.
Grounding als Achtsamkeitsübung
Im psychologischen Alltag steht Erdung für Techniken, die helfen sollen, bei Anspannung oder Grübeln im Moment anzukommen. Typisch sind Übungen, bei denen Sinneseindrücke bewusst benannt werden. Sie gehören zur breiteren Familie der Aufmerksamkeitsübungen, zum Beispiel Achtsamkeit und dem Body-Scan.
| Variante | Beispiel | Studienlage |
|---|---|---|
| Erdkontakt (Earthing) | barfuß auf Wiese, Sand oder Erde | kleine Studien, nicht gesichert |
| Sinnesübung | Füße spüren, Geräusche und Gegenstände benennen | verwandt mit Achtsamkeitsübungen |
Für beide Bedeutungen gilt: Die Erfahrung ist subjektiv. Manche Menschen empfinden Barfußgehen auf einer Wiese oder das bewusste Spüren der Füße als beruhigend. Das kann zutreffen, ohne dass die zugrunde liegende Erklärung stimmen muss. Bei Erdungsprodukten wie Matten oder Bettlaken lohnt es sich zu prüfen, welche Belege es für die Versprechen gibt.
Praxis: Erdung ausprobieren
- Barfuß über Wiese oder Sand gehen, sofern keine Verletzungsgefahr besteht.
- Beide Füße bewusst am Boden spüren und ruhig atmen.
- Mit einem Spaziergang kombinieren, etwa beim Waldbaden.
- Zum Abbau von Anspannung auch Entspannungsübungen nutzen.
Menschen mit Durchblutungsstörungen, Diabetes oder Verletzungen an den Füßen sollten vor dem Barfußgehen ärztlichen Rat einholen. Treten starke Ängste oder belastende Erinnerungen auf, ist therapeutische Unterstützung der richtige Weg; Erdungsübungen ersetzen sie nicht.
Erdungsübungen bei Anspannung sind als Ergänzung zu einer Behandlung zu verstehen, nicht als Ersatz. Bei Schwindel oder Panik ist es sinnvoll, sich hinzusetzen und gegebenenfalls Hilfe zu holen.
Quellen
- Earthing: Health Implications of Reconnecting the Human Body to the Earth's Surface Electrons (Journal of Environmental and Public Health, 2012)
- Electric Nutrition: The Surprising Health and Healing Benefits of Biological Grounding (Earthing) (Alternative Therapies in Health and Medicine, 2017)
Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung.
Fragen und Antworten
Was ist Grounding?
Grounding bedeutet Erdung. Gemeint sind entweder der Hautkontakt zum Erdboden (Earthing) oder Übungen, die über die Sinne in den Moment zurückholen. Für die erste Variante ist eine Gesundheitswirkung nicht gesichert.
Ist Barfußgehen gesund?
Bewegung im Freien kann das Wohlbefinden unterstützen. Ob der Erdkontakt selbst etwas bewirkt, ist wissenschaftlich nicht belegt. Bei Fußverletzungen, Durchblutungsstörungen oder Diabetes sollte vorher ärztlicher Rat eingeholt werden.
Hilft Grounding bei Stress?
Sinnesbezogene Übungen können Aufmerksamkeit lenken und Anspannung mindern, die Wirkung ist individuell. Bei starken oder anhaltenden Belastungen ersetzen sie keine Behandlung.
Siehe auch
- AchtsamkeitAchtsamkeit bedeutet, die Aufmerksamkeit bewusst und ohne Bewertung auf den gegenwärtigen Moment zu richten.
- EntspannungEntspannung ist ein Zustand körperlicher und seelischer Lockerung mit ruhigerer Atmung und niedrigerem Puls, das Gegenstück zur Stressreaktion.
- Innere RuheInnere Ruhe ist ein Zustand seelischer Ausgeglichenheit, in dem Gedanken und Körper zur Ruhe kommen; sie lässt sich durch Übung fördern.
- ParasympathikusDer Parasympathikus ist der Teil des autonomen Nervensystems, der Erholung, Verdauung und Beruhigung unterstützt.
- StressStress ist die körperliche und seelische Reaktion auf eine Belastung von außen; kurzfristig kann er nützlich sein, dauerhaft kann er die Gesundheit belasten.