Definition
Ikigai
Ikigai ist ein japanisches Wort für das, was dem Leben Sinn und Freude gibt, also den Grund, morgens aufzustehen.
Kurz gesagt: Ikigai heißt sinngemäß „Lebenssinn“ oder „Grund zu leben“. Gemeint ist alles, was einem Menschen das Gefühl gibt, dass sein Leben lohnt.
Bedeutung und Herkunft
Das Wort stammt aus dem Japanischen und beschreibt etwas Alltägliches: ein Hobby, die Familie, eine Arbeit, ein Garten. Ikigai muss weder groß noch beruflich sein. In Europa verbreitet ist vor allem eine Grafik aus vier sich überschneidenden Kreisen; sie ist eine westliche Deutung und kein medizinisches Modell.
Der Begriff beschreibt eher eine Haltung als ein Ziel. Er lässt sich mit „Lebensfreude“ oder „Daseinsgrund“ übersetzen und ist im Japanischen alltagssprachlich, nicht esoterisch gemeint.
Was im Alltag passiert
Wer ein Ikigai hat, erlebt Tage eher als gerichtet und bedeutsam. Typische Quellen sind:
- Beziehungen und Fürsorge für andere
- Tätigkeiten, die Neugier und Können fordern
- Ehrenamt oder Engagement
- Rituale wie Spaziergänge oder gemeinsames Essen
Was die Forschung sagt
Die Ohsaki-Studie begleitete über 43.000 Erwachsene in Japan rund sieben Jahre. Wer auf die Frage „Haben Sie ein Ikigai?“ mit Nein antwortete, starb im Beobachtungszeitraum häufiger, vor allem an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie: Sie zeigt einen Zusammenhang, aber keinen Beweis, dass ein Ikigai das Leben verlängert. Auch Vorerkrankungen oder Einsamkeit können beides beeinflussen.
Zur Deutung: Gefragt wurde nur, ob ein Ikigai vorhanden ist, nicht, worin es besteht. Die Studie sagt deshalb nichts darüber, welcher Lebenssinn der richtige wäre. Ob Menschen ohne Ikigai schon vor der Befragung seelisch oder körperlich belastet waren, lässt sich aus einer solchen Befragung ebenfalls nicht sicher trennen. Als Anstoß zum Nachdenken über das eigene Leben taugt der Begriff trotzdem, solange er nicht als Leistungsanforderung verstanden wird.
Praxis: so lässt es sich nutzen
Ein Ikigai lässt sich nicht verordnen, aber suchen. Hilfreich sind Fragen wie: Wobei vergeht die Zeit schnell? Was würde fehlen, wenn es wegfiele? Ergänzend passen Journaling und Achtsamkeit. Wer dauerhaft antriebslos oder niedergeschlagen ist, sollte das mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen und nicht allein über Sinnsuche lösen.
Ein Ikigai darf sich ändern: Mit Lebensphase, Beruf und Familie wandelt sich, was wichtig ist.
Quellen
- Sense of life worth living (ikigai) and mortality in Japan: Ohsaki Study (Sone et al., Psychosomatic Medicine, 2008)
- Ikigai and Mortality (Psychology Today, 2008)
Fragen und Antworten
Was bedeutet Ikigai?
Wörtlich „Grund zu leben“. Gemeint ist alles, was einem Menschen Sinn, Freude und Orientierung im Alltag gibt.
Muss Ikigai mit dem Beruf zu tun haben?
Nein. Im japanischen Verständnis kann es ein Hobby, eine Beziehung oder eine kleine tägliche Gewohnheit sein. Die vierteilige Grafik ist eine westliche Interpretation.
Verlängert ein Ikigai das Leben?
Eine große japanische Beobachtungsstudie fand einen Zusammenhang mit geringerer Sterblichkeit. Ursache und Wirkung sind damit nicht geklärt.
Siehe auch
- WohlbefindenWohlbefinden beschreibt, wie gut sich ein Mensch körperlich, seelisch und sozial fühlt, mit Zufriedenheit, Energie und dem Gefühl, zurechtzukommen.
- Work-Life-BalanceWork-Life-Balance beschreibt ein als stimmig erlebtes Gleichgewicht zwischen den Anforderungen von Beruf und Privatleben.
- DankbarkeitDankbarkeit ist die Wertschätzung eines positiven Erlebnisses oder einer Zuwendung, deren Quelle zumindest teilweise außerhalb der eigenen Person liegt.
- Mentale GesundheitMentale Gesundheit ist ein Zustand seelischen Wohlbefindens, in dem Menschen Belastungen bewältigen, lernen, arbeiten und zur Gemeinschaft beitragen können.
- SelbstwirksamkeitSelbstwirksamkeit ist die Überzeugung, schwierige Anforderungen aus eigener Kraft bewältigen zu können; der Begriff geht auf Albert Bandura zurück.