Definition
Selbstwirksamkeit
Selbstwirksamkeit ist die Überzeugung, schwierige Anforderungen aus eigener Kraft bewältigen zu können; der Begriff geht auf Albert Bandura zurück.
Kurz gesagt: Selbstwirksamkeit beschreibt die subjektive Überzeugung, bestimmte Aufgaben und Herausforderungen bewältigen zu können. Das Konzept stammt vom Psychologen Albert Bandura.
Bedeutung und Herkunft
In der Fachsprache heißt das Konzept Selbstwirksamkeitserwartung. Bandura beschrieb sie als Einschätzung der persönlichen Fähigkeiten, neue oder schwierige Situationen zu bewältigen. Das Konzept ist Teil seiner sozial-kognitiven Lerntheorie und gilt als wichtig für Verhaltensänderung. Es geht um Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, nicht um die Fähigkeiten selbst.
Wirkung im Alltag
Nach Angaben von Karolina Urton (Universität zu Köln) beeinflusst Selbstwirksamkeit Denken, Fühlen, Motivation und die Wahl von Situationen. Menschen mit höherer Selbstwirksamkeit sehen Schwieriges eher als Herausforderung und zeigen mehr Ausdauer. Neben der individuellen gibt es die kollektive Selbstwirksamkeit, den Glauben einer Gruppe an ihre gemeinsame Handlungsfähigkeit.
Vier Quellen nach Bandura
| Quelle | Erläuterung |
|---|---|
| Eigene Erfolgserfahrungen | Am stärksten, wenn der Erfolg den eigenen Fähigkeiten zugeschrieben wird |
| Beobachtung von Vorbildern | Besonders wirksam bei Personen, mit denen man sich identifizieren kann |
| Verbale Ermutigung | Wirkt dauerhaft nur, wenn Erfolge im Alltag sie bestätigen |
| Wahrnehmung eigener Gefühle | Etwa Angst, die die Selbstwirksamkeit senken kann |
Praxis: Selbstwirksamkeit im Alltag stärken
Aus den vier Quellen lassen sich Alltagsideen ableiten: Ziele in erreichbare Etappen teilen und Fortschritte festhalten, etwa im Journaling, von Vorbildern lernen, Rückmeldung von vertrauten Menschen annehmen und körperliche Anspannung mit Entspannung begegnen, zum Beispiel über Entspannungsübungen. Das sind Ableitungen aus dem Modell, keine geprüften Trainingsprogramme.
Eng verbunden sind Resilienz und Selbstliebe. Wer sich dauerhaft überfordert oder hoffnungslos fühlt, sollte ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe suchen.
Selbstwirksamkeit ist kein Alles-oder-nichts-Merkmal. Sie kann je nach Bereich unterschiedlich ausfallen: Jemand traut sich im Beruf viel zu und im Sport wenig. Außerdem kann Ermutigung von außen nur dann dauerhaft wirken, wenn sie durch Erfolge im Alltag bestätigt wird.
Bei Angst ist zu beachten, dass starke Anspannung die Selbstwirksamkeit senken kann. Umgekehrt kann das Gefühl, eine Aufgabe zu schaffen, die Anspannung verringern. Wer sich häufig überfordert fühlt, sollte nicht an sich zweifeln, sondern prüfen, ob Aufgaben in kleinere Schritte geteilt werden können.
Im Gesundheitsbereich spielt das Konzept eine Rolle, weil Verhaltensänderungen, etwa mehr Bewegung, eher gelingen, wenn Menschen sich diese zutrauen. Eine konkrete Wirkung auf Beschwerden lässt sich daraus nicht ableiten.
Quellen
- Selbstwirksamkeitserwartung (DocCheck Flexikon, 2024)
- Selbstwirksamkeitserwartung – Was bedingt sie und wie kann sie gefördert werden? (Urton, Universität zu Köln, in: ZEIF Potsdam, 2017)
Fragen und Antworten
Was bedeutet Selbstwirksamkeit?
Gemeint ist die Überzeugung, bestimmte Aufgaben und Herausforderungen aus eigener Kraft bewältigen zu können. Der Psychologe Albert Bandura prägte das Konzept.
Wie lässt sich Selbstwirksamkeit stärken?
Nach Bandura helfen eigene Erfolgserfahrungen, Vorbilder, Ermutigung und ein bewusster Umgang mit Gefühlen wie Angst. Am stärksten wirken eigene Erfolge.
Gibt es auch Selbstwirksamkeit von Gruppen?
Ja, man spricht von kollektiver Selbstwirksamkeit. Gemeint sind Überzeugungen einer Gruppe über ihre gemeinsame Handlungskompetenz. Sie ist nicht einfach die Summe der individuellen Werte.
Siehe auch
- ResilienzResilienz ist die Fähigkeit, sich an schwierige Lebensumstände anzupassen und die psychische Gesundheit in und nach Krisen zu bewahren oder wiederzugewinnen.
- SelbstliebeSelbstliebe ist eine wohlwollende, annehmende Haltung sich selbst gegenüber, unabhängig von Leistung und Fehlern.
- SelbstmitgefühlSelbstmitgefühl bedeutet, sich in schwierigen Momenten mit derselben Freundlichkeit zu begegnen, die man einem guten Freund entgegenbringen würde.
- Mentale GesundheitMentale Gesundheit ist ein Zustand seelischen Wohlbefindens, in dem Menschen Belastungen bewältigen, lernen, arbeiten und zur Gemeinschaft beitragen können.
- GelassenheitGelassenheit ist eine innere Haltung, bei der man auf Belastungen ruhig reagiert und nicht jede Aufregung mitmacht, ohne Probleme zu verdrängen.