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Wohlfühlwissen

Das Lexikon für Wohlbefinden im Alltag

Definition

Melatonin

Melatonin ist ein vom Körper bei Dunkelheit gebildetes Hormon, das den Schlaf-Wach-Rhythmus mitsteuert und in Deutschland verschreibungspflichtig ist.

Kurz gesagt: Melatonin ist ein Hormon, das die Zirbeldrüse im Gehirn bei Dunkelheit bildet und das den Tag-Nacht-Rhythmus mitsteuert. Als Arzneimittel ist es in Deutschland verschreibungspflichtig.

Wie der Körper Melatonin bildet

Die Zirbeldrüse beginnt mit der Produktion, wenn es dunkel wird. Je nach Lichtintensität fällt sie unterschiedlich aus. Melatonin senkt die Körpertemperatur und macht allmählich müde, weshalb es „Hormon der Dunkelheit“ genannt wird. Helles Licht am Abend, bestimmte Medikamente, das Alter und rasche Zeitzonenwechsel können die abendliche Bildung verringern. Mehr zur Körperuhr steht im Eintrag zirkadianer Rhythmus.

Melatonin als Mittel: was die Forschung sagt

  • Bei Jetlag kann es Beschwerden mindern, vor allem nach Flügen Richtung Osten.
  • Bei chronischer Schlaflosigkeit reicht die Evidenz laut Leitlinien nicht für eine Empfehlung, bevorzugt wird Verhaltenstherapie.
  • Bei Kindern verkürzte es in einer Übersicht von 2019 die Einschlafzeit, die Studien waren aber klein und kurz.
  • Langzeitwirkungen sind unbekannt.

Bei Einnahme zwei bis drei Stunden vor dem Zubettgehen verkürzte Melatonin die Einschlafzeit im Schnitt um etwa sieben Minuten gegenüber Placebo.

Risiken und Rechtliches

In Deutschland ist Melatonin als Arzneimittel verschreibungspflichtig. Genannt werden mögliche Nebenwirkungen wie Tagesmüdigkeit, Kopfschmerzen und nachlassende Aufmerksamkeit. Kinder, Jugendliche, Schwangere, Stillende und Menschen mit Leber- oder Nierenproblemen, Autoimmunerkrankungen oder Epilepsie sollten nicht in Eigenregie Melatonin nehmen. Wechselwirkungen mit Medikamenten sind möglich. Die Qualität nicht verschreibungspflichtiger Produkte kann schwanken: Untersuchungen aus den USA fanden abweichende Gehalte.

Praxis: Schlaf zuerst ohne Präparate fördern

Als erste Schritte gelten feste Schlafzeiten, Bewegung am Tag und Entspannung vor dem Zubettgehen, siehe Schlafhygiene und Einschlaftipps. Halten Schlafprobleme länger als 14 Tage an, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.

Es gibt keinen Mangel im engeren Sinn: Laut der befragten Fachleute existiert eine Melatoninmangel-Erkrankung kaum, weil es keine Standard-Referenzwerte gibt. Mehr Melatonin bedeutet nicht automatisch besseren Schlaf.

Als wirksamste Behandlung bei Schlaflosigkeit wird die kognitive Verhaltenstherapie genannt, rund acht Sitzungen, nach denen sich laut der Quelle bis zu 80 Prozent der Patientinnen und Patienten besser fühlen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt vor unbeaufsichtigter Einnahme von Melatonin-Präparaten, besonders über längere Zeit. Wer Medikamente nimmt, sollte Wechselwirkungen ärztlich klären lassen. Bei Kindern ist zudem Vorsicht geboten, weil Auswirkungen auf Pubertät und Hormonentwicklung nicht bekannt sind.

Quellen

Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung.

Fragen und Antworten

Ist Melatonin rezeptfrei?

In Deutschland ist Melatonin als Arzneimittel verschreibungspflichtig. Eine Anwendung sollte vorher ärztlich besprochen werden.

Hilft Melatonin beim Einschlafen?

Die Wirkung ist bescheiden: Bei Erwachsenen mit Schlafproblemen verkürzte es die Einschlafzeit in Studien im Schnitt nur um wenige Minuten. Bei chronischer Schlaflosigkeit gilt Verhaltenstherapie als bevorzugte Behandlung.

Ist Melatonin für Kinder geeignet?

Eltern sollten es nur nach ärztlicher Rücksprache geben. Kinder können leicht zu viel einnehmen, vor allem bei Gummibärchen-Präparaten, und die Langzeitwirkung ist unbekannt.

Siehe auch

  • SchlafhygieneSchlafhygiene umfasst Verhaltensweisen und Umgebungsbedingungen, die gesunden Schlaf fördern, zum Beispiel feste Zeiten und ein ruhiges, kühles Schlafzimmer.
  • Zirkadianer RhythmusDer zirkadiane Rhythmus ist die innere Uhr, die körperliche, geistige und Verhaltensänderungen im Verlauf von etwa 24 Stunden steuert, etwa Schlaf und Wachsein.
  • ChronotypDer Chronotyp beschreibt, zu welchen Tageszeiten ein Mensch bevorzugt schläft und aktiv ist, etwa als Früh- („Lerche“) oder Spättyp („Eule“).
  • SerotoninSerotonin ist ein Botenstoff, der überwiegend im Darm gebildet wird und unter anderem Schlaf-Wach-Rhythmus, Schmerzempfinden und Stimmung beeinflusst.
  • RegenerationRegeneration ist die Erholung von Körper und Psyche nach Belastung, durch die Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden wieder aufgebaut werden.