Methode
Shiatsu: Japanische Druckmassage und was sie leisten kann
Shiatsu ist eine aus Japan stammende Körpertherapie, bei der mit Fingern, Händen und Dehnungen auf den bekleideten Körper eingewirkt wird.

Das Wort Shiatsu bedeutet „Fingerdruck“. Behandelt wird in der Regel am bekleideten Körper, meist auf einer Matte oder Liege: Es wird gedrückt, gedehnt und der Körper bewegt. Die Methode wurde im frühen 20. Jahrhundert benannt und entwickelte sich aus der japanischen Anma-Tradition und der Traditionellen Chinesischen Medizin mit ihrer Meridianlehre.
Meridiane und Qi sind Konzepte dieser Tradition und wissenschaftlich nicht belegt. Zur Wirksamkeit von Shiatsu fand eine Übersichtsarbeit von 2011 nur wenige Studien, deren Menge und Qualität nicht ausreichten. Diskutiert werden kurzfristige Effekte auf Entspannung und Körperwahrnehmung, belegt sind sie bisher nicht ausreichend. Bei Beschwerden und Vorerkrankungen gehört der Besuch vorher in ärztliche Abstimmung. Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung.
Einordnung
- Shiatsu heißt „Fingerdruck“ und wird am bekleideten Körper mit Druck, Dehnung und Mobilisation ausgeführt.
- Eine Übersichtsarbeit von 2011 fand unter 1.714 Treffern nur 9 Shiatsu-Studien; darunter war lediglich eine randomisierte kontrollierte Studie.
- Die Autorinnen und Autoren bewerteten die Evidenz für Shiatsu als unzureichend in Menge und Qualität.
- Für die verwandte Akupressur zeigte dieselbe Übersicht Hinweise auf Nutzen bei Schmerz, Übelkeit und Erbrechen nach Operationen sowie bei Schlaf älterer Menschen in Einrichtungen.
- In Deutschland ist die Ausbildung nicht staatlich geregelt; Standards setzen private Schulen und Verbände.
Die wichtigsten Angaben
- Bereich
- Körperarbeit & Massage
- Herkunft
- Japan, benannt und systematisiert im frühen bis mittleren 20. Jahrhundert; Wurzeln in der japanischen Anma-Tradition und der Traditionellen Chinesischen Medizin
- Typische Einheit
- Einzelsitzung; Länge je nach Praxis unterschiedlich
- Intensität
- niedrig
- Ausrüstung
- bequeme Kleidung; Behandlungsmatte oder Liege der Praxis
- Kostenklasse
- mittel
- Präventionskurs (§ 20 SGB V)
- Nein
- Studienlage
- wenig belegt – für Shiatsu selbst reichen Menge und Qualität der Studien nicht aus; für die verwandte Akupressur gibt es Hinweise bei Schmerz, Übelkeit und Schlaf
- Gut geeignet für
- gesunde Erwachsene, die eine ruhige, bekleidete Körperbehandlung zur Entspannung suchen
- Vorsicht bei
- bei Fieber, akuten Verletzungen, Thrombose, Osteoporose, Gerinnungsstörungen, Krebserkrankung, Schwangerschaft oder Herz-Kreislauf-Erkrankung vorher ärztlich klären
So läuft eine Shiatsu-Sitzung ab
Zu Beginn schildert die behandelte Person ihre Beschwerden oder Wünsche. Die Behandlung erfolgt bekleidet. Die Fachkraft übt mit Daumen, Fingern, Handballen und Unterarmen Druck aus, dehnt Arme und Beine und bewegt Gelenke sanft. Dauer und Ablauf legt jede Praxis selbst fest, einheitliche Standards fehlen.
Nach der traditionellen Lehre wirkt der Druck auf Punkte entlang von Meridianen und soll das Qi beeinflussen. Dafür gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg. Physiologisch wird diskutiert, dass Druck und Dehnung Rezeptoren in Haut und Muskeln reizen und so kurzfristig Muskelspannung, Körperwahrnehmung und subjektive Entspannung verändern können. Ein spezifischer Effekt auf Parasympathikus, Cortisol oder Herzratenvariabilität ist nicht nachgewiesen.
Wirkung und Studienlage
Die Übersichtsarbeit von 2011 suchte in zahlreichen Datenbanken und fand 1.714 Veröffentlichungen. Aufgenommen wurden 9 Shiatsu-Studien, nämlich eine randomisierte kontrollierte Studie, drei kontrollierte nicht randomisierte, eine Studie mit Messungen derselben Personen, eine Beobachtungsstudie und drei unkontrollierte Studien. Das Fazit: Menge und Qualität reichen nicht aus.
Für Akupressur, die verwandte Fingerdruck-Technik, war die Lage besser. Hier gab es Hinweise auf Nutzen bei Schmerzen (Regelschmerzen, Rückenschmerzen, Geburt), bei Übelkeit und Erbrechen nach Operationen und beim Schlaf älterer Menschen in Einrichtungen. Bei Stress, Angst und Atemwegsbeschwerden waren die Studien uneinheitlich oder von geringer Qualität. Diese Befunde lassen sich nicht ohne Weiteres auf Shiatsu übertragen.
Das DocCheck Flexikon spricht von schwacher Evidenz: kleine Studien, uneinheitliche Verfahren, keine Verblindung. Für spezifische Wirkungen bei bestimmten Krankheiten gebe es keine verlässlichen Belege.
Für wen geeignet, für wen nicht
Gesunde Erwachsene können Shiatsu als ruhige Auszeit ausprobieren, wenn ihnen Berührung angenehm ist. Wer Entspannung sucht, findet im Glossar-Eintrag Entspannung und im Ratgeber Stress abbauen weitere Ansätze.
Laut DocCheck Flexikon sollte Shiatsu nicht erfolgen bei akuten Infekten mit Fieber, akuten Verletzungen, Knochenbrüchen, Thrombose oder Venenentzündung sowie auf offenen Wunden oder entzündeter Haut. Vorsicht gilt bei Osteoporose, Gerinnungsstörungen, Einnahme von Gerinnungshemmern, Krebserkrankungen, Schwangerschaft, instabilen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und akuten psychischen Krisen. Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung.
Erste Behandlung: so gelingt der Einstieg
- Vorerkrankungen, Medikamente und Schwangerschaft vorab mit der Hausarztpraxis klären.
- Eine Praxis wählen und nach Ausbildung und Verbandszugehörigkeit fragen, denn in Deutschland ist die Ausbildung nicht staatlich geregelt.
- Bequeme, weiche Kleidung tragen.
- Beschwerden, Wünsche und Grenzen zu Beginn offen ansprechen.
- Während der Behandlung Druck, der schmerzt, sofort melden.
- Danach in Ruhe nachspüren und ausreichend trinken.
Unterschied zu Akupressur, Qigong und Reiki
Akupressur drückt gezielt einzelne Punkte, Shiatsu verbindet Druck mit Dehnung und Bewegung des ganzen Körpers. Beide stützen sich auf die Meridianvorstellung. Mit dem Begriff Qi arbeitet auch das Qigong, bei dem allerdings selbst geübt wird. Reiki beruht dagegen auf einer anderen Lehre und kommt ohne Druck aus. Alle genannten Konzepte sind wissenschaftlich nicht belegt.
Quellen
- The evidence for Shiatsu: a systematic review of Shiatsu and acupressure (Robinson, Lorenc und Liao, BMC Complementary and Alternative Medicine, 2011)
- Shiatsu (DocCheck Flexikon, abgerufen 2026)
Fragen und Antworten
Was ist Shiatsu?
Shiatsu ist eine japanische Körpertherapie, bei der mit Fingerdruck, Dehnung und Mobilisation am bekleideten Körper gearbeitet wird. Sie gehört zur Komplementärmedizin.
Wie wirkt Shiatsu?
Die traditionelle Lehre spricht vom Fluss des Qi in Meridianen, was wissenschaftlich nicht belegt ist. Diskutiert werden kurzfristige Effekte auf Muskelspannung, Körperwahrnehmung und Entspannung.
Ist Shiatsu wissenschaftlich belegt?
Nur schwach. Eine Übersichtsarbeit von 2011 fand 9 Shiatsu-Studien, deren Menge und Qualität nicht ausreichten. Besser belegt sind Hinweise bei der verwandten Akupressur gegen Schmerzen und Übelkeit.
Wer sollte auf Shiatsu verzichten?
Bei Fieber, akuten Verletzungen, Thrombose und auf offenen Wunden sollte nicht behandelt werden. Bei Osteoporose, Gerinnungsstörungen, Krebs, Schwangerschaft und instabilen Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist vorher ärztlicher Rat nötig.
Woran lässt sich eine qualifizierte Praxis erkennen?
In Deutschland ist die Ausbildung nicht staatlich geregelt. Ausbildungsnachweise privater Schulen und Verbände sind keine staatliche Berufserlaubnis. Nachfragen zu Ausbildungsumfang und Erfahrung ist daher sinnvoll.
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Woher die Angaben stammen
Stand: 2026-10
Kontrolliert am 29. Oktober 2026